Laudatio 2009
Liebe Wettbewerbsteilnehmer, Bundesbrüder und Verbandsgeschwister; verehrte Gäste,
wir – der AHV der AMV Ascania Clausthal – konnten gestern zum 5. Mal die Ascaniade durchführen. Ich sehe einigen fragenden Gesichtern an, daß sie mit dem Begriff „Ascaniade“ nichts oder nur wenig anzufangen wissen. Ich will ihn kurz erklären.
Vor einigen Jahren starb die Aktivitas der Ascania aus. Die Vorgeschichte hierzu möchte ich nicht erörtern; das würde den Rahmen sprengen. Auf alle Fälle stand der AHV ohne Aktivitas und mit einem leeren Haus da. Wir haben das Haus verkauft und das Geld gut angelegt. Mit dem Ertrag dieser Anlage möchten wir die Musik im SV unterstützen, und so entstand die Idee der Ascaniade, einem Kammermusik-Wettbewerb für beliebige Ensembles aus den SV-Verbindungen, der nach Möglichkeit jährlich und an wechselnden Orten stattfinden soll.
In diesem Jahr sind wir in Erlangen und in einem wunderschönen Saal; und ich darf mich – auch im Namen meines AHVs – bei unseren Erlangern Aktiven für die gute Organisation der Rahmenbedingungen und des Ablaufs des Wettbewerbs ganz herzlich bedanken.
Es haben sich gestern zwei Ensembles der (ach so gestrengen) Jury gestellt; diese bestand aus Vbr Günter Katzenberger aus Hannover, dem langjährigen SV-Musikwart, und mir. (Bei 2 Ensembles hielten wir 2 Juroren auch für ausreichend)
Die beiden Ensembles waren
1. das Ensemble „Duo Spontanus“ (Flöte und Klavier) aus Marburg
2. das Streichquartett „Rue du Bonheur“ hier aus Erlangen
Das sind 2 Ensembles, wie sie von ihrer Besetzung und musikalischen Möglichkeiten her nicht unterschiedlicher sein könnten. Für Streichquartett gibt es die klassischen, bekannten und bedeutenden Werke; aber für die Flöte gibt es nichts Adäquates. Die Flöte spielt z.B. in der Kammermusik des 19. Jahrhundert praktisch keine Rolle, so daß der Flötist häufig auf Bearbeitungen zurückgreifen, wenn er etwas Spielbares aus dieser Zeit sucht.
Wie soll man also – als Juror – diese Ensembles vergleichen. Am besten gar nicht; die Jury hat sie unabhängig voneinander beurteilt und versucht, besetzungsgerechte Kriterien zu finden und diese absolut zu bewerten. Dann wurden sozusagen die Punkte zusammengezählt …
Deswegen möchte ich beide Ensembles hier auch getrennt besprechen und zwar in der Reihenfolge ihres Auftritts.
Das Duo Spontanus und insbesondere der Flötist Achim Schwarz tat mir schon bei der Anmeldung leid. Ich selber habe lange Zeit intensiv Flöte gespielt, auch im SV (und sogar hier in Erlangen ein Konzert gegeben); Achim hatte also ein kritischen Zuhörer und einen noch kritischeren Juror, der die von ihm vorgestellten Werke kennt. Kann diese Konstellation gut gehen?
Achim Schwarz und Harald Krähe (von der AMV Fridericiana Marburg) haben ein kurzweiliges Programm gespielt, das vom Barock über das 19. Jahrhundert bis zu einem lebenden Komponisten reichte. Diese Auswahl ist übrigens ganz im Sinne des Wettbewerbs, der auch das umfangreiche Spektrum der Kammermusik zeigen soll.
Uns hat der Flötenton von Achim besonders gut gefallen, denn er ist sehr modulationsreich. Das Klangspektrum reichte vom schlichten, einfachen Volkliederton in Bach/Gounods „Ave Maria“ über das kecke Gegackere der „Glucke“ bis zum ausdrucksstarken, dramatischen Vortrag der Stücke von John Rutter. Der Ton traf immer den Charakter und der Aussage der einzelnen Sätze genau. Die Jury hätte sich gefreut, noch ein paar jazzige „Blue Notes“ zu hören – das kann Achim bestimmt, – aber dafür gab’s gestern nicht die passende Musik.
Das Zusammenspiel mit Harald Krähe war perfekt. Die vielen agogischen Passagen und Übergänge, die allesamt gelangen, zeigten, daß beide schon lange zusammenspielen und einander vertrauen. Leider war der Flügel nicht ganz ideal – das ist jetzt kein Vorwurf an die Erlanger Organisatoren – (Günter Katzenberger flüsterte mir nach dem ersten Satz zu: „Das ist ja eine Schrammelkiste!“). Und so war die Entscheidung des Ensembles richtig, die Sonate von César Frank zu streichen, denn sie wäre auf diesem Flügel nicht darstellbar gewesen.
Die Jury war vom gesamten Vortrag sehr angetan und sagt: Das ist einen ersten Preis wert.
Nun gab es dann noch ein zweites Ensembles, das allen bekannte Erlanger Streichquartett. Sie haben schon zweimal bei einer Ascaniade mitgewirkt und beide Male den ersten Preis gewonnen. Das setzt natürlich bei der Jury sehr hohe Erwartungen.
Und in der Tat: das Quartett spielte aus einem Guß, wie 1 Instrument – so wie bei den beiden letzten Ascaniaden-Auftritten. Das Zusammenspiel ist wirklich überragend.
Aber was habt ihr euch mit dem Schubert vorgenommen? Ging der nicht nur an die Grenze, sondern vielleicht auch etwas darüber hinaus? Im 1. Satz hatte die Jury diesen Eindruck, denn es gab doch einige Wackler und das Piano-Spiel war nur leise, aber nicht klangvoll. Oder lag es an der (noch) ungewohnten Akkustik?
Denn im 2. Satz hattet ihr dann eure (für uns) gewohnte Klasse erreicht. Das Piano klang bedrückend, beängstigend und das Forte war vollmundig, klangstark. Die Variationen waren sauber ausgearbeitet, insbesondere was die Gleichberechtung aller Stimmen betraf.
Und der Haydn zum Schluß war reiner Genuß, will sagen so richtige „Tanzmusik“.
Wie beurteilt man nun eine solche Leistung? Die Jury ist einhellig der Meinung, daß sie das bekommen sollen, was sie verdienen, nämlich auch einen 1. Preis.
Nach diesen ideellen Werten kommen wir zu den reellen Werten, nämlich zum Preisgeld. Die Jury sieht alle 6 Mitwirkenden als individuell gleichwertige Musiker an. Und daher soll jeder einen gleichen Betrag von € 400 erhalten. Während es für die Erlanger nun ein Heimspiel war, hatten die Marburger zusätzlich die Anreise zu leisten; und die Jury hat entschieden, diesen beiden jeweils € 50 als „Reisekostenzuschuß“ zu geben